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Rettungsbelüftung, by Christian Emrich

Leader bringt mit dem neuartigen Belüftungskonzept, der Rescue Ventilation, frischen Wind in alte Verfahren. Die Belüftung erhält bei diesem Konzept eine ganz neue Dimension, einen vollwertigen, eigenständigen Rang unter den Verfahren zur Opferrettung.

 

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In den letzten Jahren haben sich die Belüftungsgeräte bei den Feuerwehren fast flächendeckend durchgesetzt.

Doch bei der Umsetzung im Brandeinsatz gibt es in allen Bereich, von Berufsfeuerwehren über Werkfeuerwehren wie auch bei den freiwilligen Feuerwehren Unterschiede in der Gerätetechnik und Taktikmeinung.

Doch durch eine effektive Belüftung kann gerade bei der Menschenrettung wie auch bei der Brandbekämpfung teils mehr als zehn Minuten eingespart werden.

Mit der Rettungsbelüftung (rescue ventilation) soll es in Zukunft jeder Feuerwehr möglich sein mit der vorhandenen Technik einfach, schnell und vor allem sicher effektiv retten und schützen zu können. Die bisherigen Taktiken sollen an dieser Stelle kurz genannt und beschrieben werden um anschließend die Vereinfachungen durch die Rettungsbelüftung (rescue ventilation) besser darstellen zu können.

Die Belüftung im Brandeinsatz ist ein komplexes Thema. Oft wird dem Thema skeptisch entgegengesehen. In einigen Teilen Deutschlands wird nicht explizit zwischen den unterschiedlichen Gerätetechniken unterschieden. In anderen Teilen wiederum doch. Ebenso gibt es bei der daraus resultierenden Taktik viele Varianten die mehr oder weniger bekannt sind.

 


I. Gerätetypen-Propellerlüfter

Die bekannten Gerätetechniken sind zum einen die im Feuerwehrwesen oft als Überdrucklüfter bezeichneten Propellerlüfter.

Diese sind im Vergleich zu den Turbolüftern relativ groß und haben wenige Propellerblätter.

Aufgrund der erzeugten Strömungsart durch klassische Propeller wird hier ein trichterförmiger Luftstrom erzeugt.

Um eine optimale Belüftung mit diesen Geräten zu erreichen sollten sie, wie auch flächendeckend seit Jahren gelehrt, mit dem Abstand der Diagonalen der Eingangsöffnung aufgestellt werden. Dies sind bei einer Wohnhaustüre 2 – 2,5 Meter.

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II. Gerätetypen-Turbolüfter

Bei den kleineren Turbolüftern, welche mittels Turbinentechnik (Strömungsmaschine) und vielen Blättern einen spitz zulaufenden Luftstrahl mit sehr hohen Geschwindigkeiten erzeugen ist der Abstand bei 2,5 m bis 3 m zu wählen.

Dieser Abstand wird benötigt um den maximal möglichen Luftstrom zu erzeugen. Durch die hohen Luftgeschwindigkeiten wird Außenluft mitgerissen.

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Handhabung der Propeller- und Turbotechnologie

Bei diesen genannten Technologien ist der Aufstellpunkt sehr entscheidend für eine akzeptable Luftleistung ins Gebäude.

Eine ordentliche Luftmenge ist elementar wichtig für die schnelle Entrauchung einer Brandwohnung um diese schnellstmöglich nach Personen absuchen zu können.

Genauso wichtig ist der Luftvolumenstrom auch bei einer ersten Entrauchung des Treppenhauses zur Evakuierung der anderen Hausbewohner.

Ein optimaler Luftstrom ist zum einen sehr abhängig von der exakten Aufstellung der Lüftergeräte, welche je nach Strömungserzeugungstechnik unterschiedlich ist. Zudem hängt die Luftvolumenleistung stark von der Einstellung des optimalen Neigungswinkels ab.

Dieser kann bei den bisherigen Geräten aller Hersteller manuell eingestellt werden.

Die Einstellung muss im Einsatz auch vorgenommen werden.

Wo jedoch der optimale Neigungswinkel für die verschiedenen Lüftertechnologien liegt ist flächendeckend kaum bekannt und wenn er bekannt ist kann er im Einsatzgeschehen nur ungefähr eingestellt werden.

Als Faustformel wird empfohlen den Luftstrahl zentriert auf den Gebäudeeingang zu stellen.


III. Neue Easy Pow'Air Technologie

GAMME Ventil Seit Mai 2008 gibt es die neue „Easy Pow´air“- Technologie. 

 

Diese Technologie hat durch veränderte Strömungstechnik eine große Variabilität.

Mit einem Abstand von 2 bis 6 m vom Gebäudeeingang, ohne große Leistungseinbußen, wird mit dieser neuen Strömungstechnologie die Schulung und die Anwendung im Einsatz für die Feuerwehren enorm vereinfacht.

Mit den fast gleichen Abmaßen wir die bisherigen Turbolüfter konnte die Easy Pow´air- Technologie bei der Zertifizierung in den USA durch dem sogenannten AMCA-Test 240 (Air Movement and Control Association International) in dieser Lüfterkategorie 15% mehr Luftleistung erzeugen als die bisherigen Modelle und Technologien.

Dieser Leistungszuwachs ist durch die besagten strömungstechnischen Veränderungen in Kombination mit dem automatisch eingestellten optimalen Neigungswinkel zu erklären.

Durch diese Kombination ist es auch in der Einsatzpraxis möglich, dass jede Feuerwehr durch einfachste Aufstellung eine effektive Einsatzstellenbelüftung betreiben kann. Zudem können sich die Feuerwehren jetzt auch an die vielen unterschiedlichen Bauweisen und Gebäudestrukturen anpassen, da der optimale Aufstellpunkt nicht innerhalb eines Bereiches von 0,5 Meter liegt. Außerhalb dieses Bereiches muss man bei den momentan im Feuerwehrbereich eingesetzten Technologien Leistungseinbußen hinnehmen. Diese Einbußen verzögern wiederum die Menschenrettung wie auch die Suche nach dem Brandherd.

Durch die neue Strömungstechnologie und der Aufstellung bis zu sechs Meter vor dem Gebäudeeingang kann ein Lüfter mit Easy Pow´air- Technologie vor Treppen aufgestellt werden. Gerade bei Einfamilienhäuser sind meist fünf bis acht Treppenstufen zum Hauseingang ein häufiges Hindernis für die Aufstellung eines Lüfters.

Um nach dem Einsatz das Brandobjekt rauchfrei zu machen wird bisher oft der Lüfter an das Ende der Treppe, direkt vor die Haustüre gestellt. Hier steht der Lüfter nicht optimal und die Belüftung kann nicht sehr effektiv durchgeführt werden.

Des Weiteren kann die dortige Aufstellung eines Belüftungsgerätes erst nach Abschluss des eigentlichen Ereignisse aufgestellt werden da sonst der Entwicklungs- und Arbeitsbereich der Feuerwehr klein ist und der Lüfter „im Weg steht“. Platz nimmt er zum einen bei einer eventuellen Evakuierung in der Primärphase des Einsatzes weg. Hier stellt ein direkt vor der Eingangstüre aufgestellter Lüfter ein erhöhtes Unfallrisiko für flüchtende Personen wie auch Einsatzkräfte dar. Gleichzeitig wird der Entwicklungsbereich für den Angriffstrupp sehr klein. Das bedeutet dass der Bereich für das Vorbereiten des Innenangriffes und der Personensuche zum legen von Schlauchreserven etc. noch mehr beschränkt ist als meist ohnehin schon bei derartigen Objekten.

Durch die Aufstellung mit 1,5 Metern vor der ersten Treppenstufe schafft es die Easy Pow´air- Technologie nahezu dieselbe Luftleistung in das Gebäude zu bringen wie bei Objekten ohne Treppe. Zudem kann die dortige Aufstellung personalsparend durch eine Einsatzkraft erfolgen, da der Lüfter die Treppe nicht hochgetragen werden muss. Bei den beiden bisherigen Technologien muss dieser Arbeitsschritt erfolgen, da es für diese nicht möglich ist eine Treppe zu überwinden und gleichzeitig eine ordentliche Luftmenge bei fünf oder sechs Meter Abstand ins Gebäude zu bringen.

Um eine Belüftung zur Menschenrettung und Brandbekämpfung durchführen zu können muss daher mit der Propeller- wie auch der Turbotechnologie der oft nur geringe Abstand zur Eingangstüre akzeptiert und die Leistungseinbußen hingenommen werden.

Durch die sehr einfache Handhabung mit patentierter automatischer Neigungswinkeleinstellung und einem Aufstellbereich von vier Metern kann mit dieser neuen Technologie die Menschenrettung wie auch Brandbekämpfung von jeder Feuerwehr einfach und effektiv verbessert werden. Denn wie schwierig es ist, nachts um halb zwei aus der ersten Tiefschlafphase der Nacht kommend, einen Lüfter gemäß seiner Strömungsart bei dem jeweiligen Abstand exakt zu platzieren und anschließend einen möglichst optimalen Neigungswinkel einzustellen weis jeder der bereits in dieser Situation war. Oft wird bisher in der Primärphase des Einsatzes auf die mechanische Belüftung verzichtet.

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IV. Rettungsbelüftung und Taktik

Setzt man die Lüfter zur Rettungsbelüftung (rescue ventilation) ein, kann die Suche nach vermissten Personen je nach Brandraumgröße um zehn Minuten und mehr verkürzt werden.

Bedenkt man hierbei, dass die Reanimationsgrenze bei einem Patienten mit Rauchvergiftung nach der ORBIT-Studie bei 17 Minuten liegt, besteht bei frühestmöglichem Lüftereinsatz und Schaffung von größtmöglichen Abluftöffnungen im Brandraum bei einem Zimmer- oder Wohnungsbrand, eine erhöhte Chance vermisste Personen durch das sehr viel schnellere Auffinden erfolgreich Wiederbeleben zu können.

Gleichzeitig kann durch ventilationsgesteuerte Brandbekämpfung und Anwendung der „Rettungsbelüftung“ die Branddauer und Brandintensität erheblich reduziert werden. Wichtig ist dafür, die optimale Positionierung und Winkeleinstellung des Lüfters gemäß seiner Technikart und das schnellstmögliche Öffnen möglichst großer Abluftöffnungen im Brandraum. Es ist unerlässlich dass die Schulung der gesamten Einsatzmannschaft und deren Führungskräfte flächendeckend intensiviert wird und regelmäßig praktische Übungen an den unterschiedlichsten Objekten vor Ort durchgeführt und wiederholt werden.

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Die Rettungsbelüfung (rescue ventilation) soll die Taktik für die Feuerwehren vereinfachen und die Menschenrettung optimieren.

Die drei wichtigsten Dinge bei der effektiven Belüftung von Brandwohnungen ist die umfassende Erkundung des Gruppenführers, das richtige Aufstellen und Einstellen des Lüfters sowie das geübte, sichere Vorgehen des Angriffstrupp zum Schaffen von Abluftöffnungen je nach Entrauchungsart der eingesetzten Lüftertechnik im Brandraum.

Durch die Rettungsbelüftung sollen die kritischen Faktoren beziehungsweise Gefahren gezielt bekämpft werden. Dies sind im Brandeinsatz in Gebäuden Temperatur, Rauch, und brennbare Gase. Durch eine effektive Anwendung der Einsatzstellenbelüftung wird das Vorgehen durch schnelle Temperatursenkung und bessere Sicht viel sicherer für die Einsatzkräfte und die Überlebenswahrscheinlichkeit für vermisste Personen erhöht sich durch die mögliche erhebliche Verkürzung der Suchzeit.

Bei Druckmessungen hat sich gezeigt, dass der erzeugte Überdruck erheblich kleiner ist als in einigen Lehrunterlagen genannt. Zudem erzeugen die bisherigen Lüftertechnologien fast die gleichen Drücke, welche sich entgegen einiger Lehrunterlagen im unteren Pascalbereich ansiedeln. Die Überdruckerzeugung, welche nur ohne Abluftöffnungen möglich ist, kann gezielt dazu eingesetzt werden Rauch und giftige Brandgase aus rauchfreien Räumen und Fluren fern zu halten. Diese Anwendung in der Einsatzpraxis benötigt viel Übung und Erfahrung, da jedes Gebäude eine andere Baustruktur hat und diese gewisse Gefahren unter anderem durch verschiedene Lüftungs-, Decken- und Bodensysteme mit sich bringt. Durch die schnelle Entrauchung der betroffenen Bereiche mittels Rettungsbelüftung kann diese komplexe Taktikart im Feuerwehreinsatz umgangen werden. Um in einer Brandwohnung schnellstmöglich eine vermisste Person finden zu können benötigt der Angriffstrupp Sicht. Da unter Null-Sicht-Bedingungen eine Personensuche sehr viel Zeit in Anspruch nimmt sollte der Brandsituation entsprechend eine größtmögliche Abluftöffnung im Brandraum zu schaffen. Damit kann die Entrauchung des Brandraumes schnellstmöglich erfolgen und durch die Senkung der optischen Dichte hat der vorgehende Trupp innerhalb gut zwei Minuten, je nach Raumgröße auch schneller, in Bodennähe so viel Sicht, dass er den Brandraum durchblicken und sich eine gute Übersicht schaffen und die vermisste Person retten kann. Das Verhältnis von Zuluft- zu Abluftöffnung ist hier nicht mehr von Bedeutung da man eine schnellstmögliche Senkung der optischen Dichte des Rauches nur durch eine möglichst große Abluftöffnung im Brandraum erreicht. Sobald Abluftöffnungen geschaffen werden fällt der Überdruck nahezu gegen Null.


Fazit

Die Rettungsbelüftung soll es jeder Feuerwehr ermöglichen eine schnelle, einfache und effektive Menschenrettung und Brandbekämpfung durchführen zu können. Bei jeder Art der Brandbekämpfung ist es enorm wichtig dass jede Einsatzkraft die Abläufe und Hintergrunde, der Funktion entsprechend, kennt und die aus dem Vorgehen resultierenden Gefahren einschätzen kann.

 

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Durch umfassende und regelmäßige Übungs- und Trainingseinheiten kann die Menschenrettung wie auch die Brandbekämpfung vereinfacht und optimiert werden. Der Lüfter im Allgemeinen ist ein Rettungsgerät. Mit dieser Priorität sollte er bei Übung wie auch Einsatz eingesetzt und behandelt werden. Gerade bei den aktuell auf den Fahrzeugen verladenen Technologien ist eine umfassende und regelmäßige Schulung unabdingbar um in der Stresssituation Einsatz die Anwendung und exakte Aufstellung zu beherrschen. Dies erfordert intensive Schulung der Mannschaft und vor allem auch der Führungskräfte. Denn nur durch qualifizierten, frühestmöglichen und gezielten Einsatz kann der Lüfter zur besseren Sicherheit der Einsatzkräfte und zur Verkürzung der Suchzeit von Personen und Vermeidung von Brandschäden beitragen.