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INSARAG-Klassifizierung

Die Klassifizierung internationaler USAR-Teams entsprechend ihrer operativen Fähigkeiten ist erforderlich, um sicherzustellen, dass bei einer Katastrophe nur ausreichend qualifizierte und geeignete USAR-Ressourcen zum Einsatz kommen.

I. Einleitung

Großkatastrophen in urbanen Zonen mit einer hohen Bevölkerungsdichte und einfachen oder komplexen Gebäudestrukturen aus Beton oder Stahlbeton können sich heute in der ganzen Welt ereignen und erfordern daher den Einsatz von modern ausgerüsteten und gut ausgebildeten urbanen Such- und Rettungseinheiten (USAR / Urban Search and Rescue).

Der technologische Fortschritt hat die Fähigkeiten von Rettungskräften, eingeschlossene Opfer zu lokalisieren, zu bergen und medizinisch zu versorgen, deutlich verbessert. Zahlreiche Länder haben Kapazitäten zur Opfersuche entwickelt und schicken im Bedarfsfall speziell ausgebildete USAR-Expertenteams zur Unterstützung in Katastrophenregionen mit großflächigen Zerstörungen urbaner Flächen.

Der Einsatz internationaler USAR-Teams hat sich bei zahlreichen Katastropheneinsätzen bewährt, allerdings offenbarte sich bei diesen Einsätzen, dass diese Rettungskräfte in ein Koordinierungssystem eingebunden werden müssen, um eine möglichst effektive und effiziente Nutzung der verfügbaren USAR-Ressourcen zu gewährleisten. Aus diesem Grund ist eine Klassifizierung der internationalen USAR-Teams nach ihren operativen Fähigkeiten erforderlich, um sicherzustellen, dass bei einer Katastrophe nur ausreichend qualifizierte und geeignete USAR-Ressourcen zum Einsatz kommen.

Alle USAR-Einheiten müssen unabhängig von ihrer Klassifizierung und ihrer operativen Verwendung die folgenden Disziplinen beherrschen:

  • Management,
  • Logistik,
  • Suche von Opfern,
  • Rettung/Bergung,
  • medizinische Versorgung.

 

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Abbildung 1 veranschaulicht, dass die Mehrheit der Opfer, die bei einer Katastrophe unter Gebäudetrümmern verschüttet werden, von ortsansässigen Kräften gerettet werden. Dies geschieht kurz nach dem Ereignis und mit wenig Ausrüstung. Werden Menschen allerdings unter Strukturen aus Stahlbeton eingeschlossen, werden speziell ausgebildete Rettungskräfte sowie Spezialausrüstungen benötigt, um die Opfer zu lokalisieren, einen Zugang zu ihnen zu schaffen und sie dann zu retten.

 


Die Überlebenschancen einer verschütteten oder eingeschlossenen Person verringern sich mit der Zeit rapide. Daher ist es ausgesprochen wichtig, dass so schnell wie möglich den jeweiligen Einsatzorten die angemessenen Rettungsmittel zugewiesen werden. Das INSARAG-System zur externen Klassifizierung (IEC / INSARAG External Classification) soll sicherstellen, dass Hilfe stellende Länder Einheiten entsenden, deren Fähigkeiten und Ausrüstung auch dem Unterstützungsbedarf entsprechen. So wird sichergestellt, dass an den verschiedenen Einsatzorten schnellstmöglich geeignete Ressourcen genutzt werden können.

Unter Berücksichtigung der gelisteten operativen Fähigkeiten gewährleistet das USAR-Klassifizierungssystem, dass die USAR-Teams auf einer einheitlichen Kommunikationsstruktur basieren. Die eingesetzten Einheiten sind nun besser in der Lage, effektiver zusammenzuarbeiten, da sie die gleiche Grundstruktur haben, die gleichen Dinge verstehen und über eine standardisierte Qualifikation bezüglich der primären USAR-Einsatzaspekte verfügen. Daraus resultiert eine koordinierte und somit hoch wirksame multinationale Reaktion auf Großkatastrophen.


II. Klassifizierung

 

Die INASARAG-Klassifizierung für USAR-Such- und Rettungseinheiten umfasst 3 Ebenen:

1. Light USAR Teams: Leichte USAR-Einheiten besitzen die operative Fähigkeit, direkt nach dem Katastrophenereignis Such- und Rettungsarbeiten an der Oberfläche durchzuführen. Sie kommen hauptsächlich aus dem betroffenen Land oder aus Nachbarstaaten. Es wird nicht empfohlen, leichte Einheiten auf internationale Einsätze zu schicken.

2. Medium USAR Teams: Mittlere USAR-Einheiten besitzen die operative Fähigkeit, nach dem großflächigen Einsturz von Gebäudestrukturen mit technischen Hilfsmitteln Such- und Rettungsarbeiten durchzuführen. Für die Suche nach verschütteten Opfern sind diese Einheiten erforderlich.

Sie müssen spätestens 32 Stunden nach dem Eintritt des Ereignisses einsatzbereit und am Katastrophenort sein. Einheiten dieser Art müssen ausreichend Personal vorhalten, um an einem Einsatzort eine Intervention von 7 Tagen rund um die Uhr durchführen zu können.

3. Heavy USAR Teams: Schwere USAR-Einheiten besitzen die operative Fähigkeit, bei Katastrophen technisch aufwändige Such- und Rettungsoperationen durchzuführen. Für die Suche nach verschütteten Opfern, den Einsatz von Rettungshunden sowie den Einsatz von Spezialausrüstungen sind diese Einheiten erforderlich. Meist werden sie im Rahmen internationaler Hilfsmaßnahmen nach schweren Erdbeben in städtischen Ballungsräumen eingesetzt, wenn die erforderlichen Kapazitäten des betroffenen Landes erschöpft sind oder nicht zur Verfügung stehen. Die schweren USAR-Teams sind internationale Einheiten und müssen spätestens 48 Stunden nach dem Eintritt des Ereignisses einsatzbereit und am Katastrophenort sein. Einheiten dieser Art müssen ausreichend Personal vorhalten, um an zwei verschiedenen Einsatzorten eine Intervention von 10 Tagen rund um die Uhr durchführen zu können.

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Nur USAR-Teams, welche die Anforderungen des Klassifizierungssystems für USAR-Einheiten erfüllen, werden in das USAR-Jahresverzeichnis der INSARAG aufgenommen. Einzelheiten zu den für die Aufnahme von Einheiten erforderlichen Bedingungen sind in den Klassifizierungsrichtlinien der INSARAG aufgeführt.

www.insarag.org