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Hohlstrahlrohre nach EN15182

Eine Norm für mehr Sicherheit und eine bessere Leistungsentfaltung

I. Die neue Norm DIN EN 15182:

Die neue Norm DIN EN 15182 ist seit Februar 2007 in Kraft.

Sie ersetzt die alten nationalen Normen, insbesondere die Normen DIN 14365 und DIN 14367. 

Die neue Norm umfasst vier Teile: 

  • Teil 1: Allgemeine Anforderungen
  • Teil 2: Hohlstrahlrohre PN16
  • Teil 3: Strahlrohre mit Vollstrahl und/oder einem unveränderlichen Sprühstrahlwinkel PN16
  • Teil 4: Hochdruckstrahlrohre PN40

Diese Einteilung wird in einem der Norm DIN EN 15182-1 entnommenen Organigramm zusammengefasst.

 

organigramm-1-klassifizierung-von-strahlrohren


II. Hohlstrahlrohre PN16

Seit den 90er-Jahren erfreuen sich die Hohlstrahlrohre PN16 in Europa und insbesondere in Deutschland einer wachsenden Beliebtheit, weil sie hoch wirksam und bedienungsfreundlich zugleich sind.

Daher gehören diese Hohlstrahlrohre zur Standardausrüstung jeder freiwilligen Feuerwehr oder Berufswehr

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1. KATEGORIEN

Den Hohlstrahlrohren PN 16 ist Teil 2 der neuen Norm DIN EN 15182 gewidmet, wobei sie wiederum in vier Kategorien unterteilt werden: 

  • Funktionskategorie 1: Variable Strahlform bei variabler Durchflussmenge 

Dabei handelt es sich um Strahlrohre, bei denen durch eine Drehung des Kopfs die Durchflussmenge sowie die Strahlform verändert werden kann. Obwohl dieser Strahlrohrtyp in der Anschaffung günstig ist, ist er bei Feuerwehren sehr wenig verbreitet. Das liegt wohl daran, dass sich die Bedienung komplexer gestaltet, weil alle Durchflussmengen und alle Strahlformen über ein einziges Bedienelement eingestellt werden können. 

 

  • Funktionskategorie 2: Variable Strahlform bei konstanter Durchflussmenge

Mit diesem Strahlrohrtyp kann man verschiedene Strahlformen nutzen, aber nur eine Durchflussmenge. Dies beschränkt natürlich signifikant die Möglichkeiten des Strahlrohrführers, und deshalb sind auch diese Strahlrohre nur sehr selten bei Feuerwehren zu finden.

 

  • Funktionskategorie 3: Variable Strahlform bei einstellbarer konstanter Durchflussmenge

Bei diesem Strahlrohrtyp kann man durch Drehen des Strahlrohrkopfes verschiedene Strahlformen einstellen. Die Durchflussmenge kann über einen Drehring gewählt werden, im Allgemeinen stehen 2 bis 6 verschiedene Durchflussmengen zur Verfügung. Das Öffnen und Schließen des Strahlrohrs erfolgt gemeinhin über einen Kugelhahn. 

 

  • Funktionskategorie 4: Konstanter Druck (Automatik-Hohlstrahlrohre)

Wie bei den Produkten der Kategorie 3 werden die verschiedenen Strahlformen durch Drehen des Strahlrohrkopfes eingestellt. Wie ihre Bezeichnung schon vermuten lässt, sind diese Strahlrohre mit einem Druckregelsystem ausgestattet, das den Druck am Ausgang des Strahlrohrs auf einem konstanten Niveau hält. Damit haben die Automatik-Hohlstrahlrohre eine relativ konstante Wurfweite sowie eine optimale Strahlqualität.

Diese Kategorie ist in zwei Unterkategorien unterteilt:

  • 4.1 Variable Strahlform bei konstantem Druck

Diese automatischen Strahlrohre sind nicht mit einem System zur Wahl der Durchflussmenge ausgestattet. Die Durchflussmenge variiert nur in Verbindung mit dem Eingangsdruck am Strahlrohr.

 

4.2 Variable Strahlform und einstellbare Durchflussmenge bei konstantem Druck

Diese automatischen Strahlrohre sind zusätzlich zur Druckregelung mit einem System zur Wahl der Durchflussmenge ausgerüstet. Der Bedienbügel zum Öffnen/Schließen kann zum Beispiel auch zur Anzeige der gewünschten Durchflussmenge dienen.
 

 

2. DRUCKWERTE

Die DIN EN 15182 legt die Druckwerte fest, mit denen die Strahlrohre zu testen oder zu verwenden sind.

Die Druckwerte werden am Eingang des Strahlrohrs gemessen: 

  • Pr = Referenzdruck für Hydrauliktests: 6 bar , der zu verwendende Druck für die Messung von Durchflussmengen, Wurfweiten und Strahlwinkeln.

In diesem Zusammenhang ist insbesondere zu beachten, dass die am Strahlrohr angezeigten Durchflussmengen mit einem Druck von 6 bar am Eingang des Strahlrohrs erzeugt werden.

 

  • Pm = Mittlerer Druck (Strahlrohre der Kategorie 4) Dabei handelt es sich um den mittleren Druck des Einstellbereichs des Automatik-Hohlstrahlrohrs. Dieser wird vom Hersteller des Strahlrohrs festgelegt.

 

  • Pn = Nenndruck: 16 bar 

Dies ist der maximale Betriebsdruck des Strahlrohrs. Im Sinne einer sicheren Verwendung des Strahlrohrs darf dieser Druckwert niemals überschritten werden.

 

  • Pt = Prüfdruck: 25,5 bar

Dieser Druckwert wird zur Dichtigkeitsprüfung verwendet (keine Tropfenbildung während 1 Minute mit Pt am Eingang des Strahlrohrs). 

 

  • Pb = Druck für die Berstprüfung (Berstdruck): 60 bar

Bei dieser Prüfung wird der Druck am Eingang des Strahlrohrs progressiv bis auf 60 bar erhöht. 

Während dieser Prüfung darf das Strahlrohr nicht bersten.

 

3. DURCHFLUSSMENGEN

Die Norm begrenzt die Durchflussmenge der handgehaltenen Strahlrohre PN16 auf 1.000 l/min (bei 6 bar). 

Alle am Strahlrohr wählbaren Durchflussmengen müssen überprüft werden und den folgenden Toleranzen entsprechen: 

  • Durchflussmenge unter 250 l/min: Toleranz 0/+25 l/min
  • Durchflussmenge über 250 l/min: Toleranz 0/+10 %

Die verschiedenen Durchflussmengen müssen visuell oder mechanisch erkennbar sein.

Die maximale Durchflussmenge muss von einer Person manuell erkennbar sein, die Handschuhe nach EN 659 trägt. 

Sofern ein Drehring zur Einstellung der Durchflussmenge vorhanden ist, darf dieser zwischen der kleinsten und der größten Durchflussmenge keine Drehung von mehr als 180° vollziehen.

 

4. WURFWEITEN

Für jede gewählte Durchflussmenge über 50 l/min wird die Wurfweite gemessen. Diese muss den im folgenden Diagramm angegebenen Wert übertreffen: 

diagramm-2--effektive-reichweite6

 

5.STRAHLFORMEN

Das Strahlrohr muss über einen mittleren Sprühstrahl verfügen, dessen Winkel zwischen 30 und 100° betragen muss.

Die Strahleinstellung muss über ein visuelles oder ein mechanisches System angezeigt werden.

Bei den Strahlrohren von Leader handelt es sich hierbei um die „Flashover-Position“ oder „FO-Position“.

Diese Strahlform eignet sich aufgrund ihres Sprühwinkels und der Größe der produzierten Tropfen für den Innenangriff, wo Risiken in Verbindung mit Flashover-Situationen und mit elektrischen Einrichtungen bestehen.

Das Strahlrohr muss außerdem über einen breiten Sprühstrahl verfügen (auch als „Mannschutz“ bezeichnet), mit einem Winkel über 100°. Dieser breite Sprühstrahl muss durch eine Drehung des Kopfes in einem Drehbereich zwischen 70 und 180° eingestellt werden können (zwischen 70 und 270° für Strahlrohre mit Durchflussmengen über 500 l/min).

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6.SPÜLEN

Die Spülkapazität der Strahlrohre wird anhand des Durchlaufs einer Stahlkugel mit dem in der unten stehenden Tabelle angegebenen Durchmesser geprüft:

tabelle-3-spuelfaehigkeit

 

 

Wenn die Strahlrohre mit einer Entleerungs-Position ausgestattet sind, muss diese durch eine visuelle oder mechanische Einrichtung angezeigt werden.

 

7.ELEKTRIK-TEST

Die Norm EN 15182 schreibt keine Elektrik-Tests mit Strahlrohren vor. Die Ergebnisse der Laborforschung sowie die Praxiserfahrungen auf internationalem Niveau haben jedoch belegt, dass die bestehenden Tests nicht alle Parameter berücksichtigen, wie beispielsweise die Schätzung von Entfernungen bei schlechten Sichtbedingungen.

Daher ist es bei einem Brand im direkten Umfeld einer elektrischen Einrichtung unbedingt empfehlenswert:

  • darauf zu achten, dass die Stromversorgung unterbrochen wird. 
  • bei Niederspannungsanlagen (unter 1000 Volt) einen maximalen Sicherheitsabstand von mindestens 1 Meter einzuhalten. 
  • den Sprühstrahl zu verwenden. In dieser Hinsicht bietet die europäische Norm, die ja bei Strahlrohren einen mittleren Sprühstrahl mit einem Winkel von >30° vorschreibt, den Bedienern ein zusätzliches Maß an Sicherheit. 

 

8.SONSTIGE TESTS

Die Norm DIN EN 15182 schreibt noch weitere Tests vor, wie etwa einen Falltest, einen Haltbarkeitstest bei großer Wärme und großer Kälte oder die Messung des Drehmoments drehender Bauteile.

Es ist zu beachten, dass die europäische Norm sich nicht auf die Verbindungselemente am Eingang des Strahlrohrs bezieht, da diese bereits Gegenstand diverser nationaler Normen und Richtlinien sind.

 

 

Die bei den europäischen Feuerwehren am weitesten verbreiteten Strahlrohre gehören zu den Kategorien 3 und 4. 

Leader bietet in diesen Kategorien eine umfassende Palette von Strahlrohren an, die der neuen Norm DIN EN 15182 entsprechen.

  • Strahlrohre der Kategorie 3:

Dabei handelt es sich um Strahlrohre der Marke Quadrafog. Diese sind in zahlreichen Ausführungen erhältlich, von den deutschen Feuerwehren am häufigsten nachgefragt werden die Modelle QF150 C-Storz (max. Durchflussmenge 150 l/min), QF400 C-Storz (max. Durchflussmenge 400 l/min) sowie QF1000 B-Storz (950 l/min).

 

I11.12.041 QF400 Hohlstrahlrohr

  • Strahlrohre der Kategorie 4:

Dabei handelt es sich um Strahlrohre der Marke MACH3. Zu den beliebtesten Modellen gehört das Hohlstrahlrohr Ultimatic FO6AA C-Storz, auch bekannt unter der Modellbezeichnung „Frankfurt am Main“ (Durchflussmenge 60-400 l/min) mit einer überbrückbaren Wassermengenbegrenzung bei 200 l/min. Das Hohlstrahlrohr Berlin Force C-Storz (Durchflussmenge 100-400 l/min) verfügt über eine Besonderheit: es kann mit zwei Druckwerte arbeiten (3 und 6 bar). Dies gewährleistet selbst bei einem niedrigen Versorgungsdruck, beispielsweise in Hochhäusern, eine optimale Durchflussmenge und eine optimale Wurfweite.

I11.20.121 Ultimatic FO6 automatisches Hohlstrahlrohr

 


Dokumentation

Um ein optimales Informationsniveau sowie ein Höchstmaß an Klarheit zu gewährleisten, schreibt die europäische Norm vor, dass jedes Strahlrohr mit einer Bedienungsanleitung auszuliefern ist, die neben den Informationen zur Verwendung und den Warnhinweisen bezüglich des Produkts auch ein technisches Datenblatt des Strahlrohrs (Anhang C) enthalten muss.

Beispiel:

 

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Ein Wartungshandbuch mit einer technischen Zeichnung in Schnitt- oder Explosionsdarstellung des Strahlrohrs, einer Liste der Einzelteile sowie den entsprechenden Wartungsanweisungen muss ebenfalls mit jedem Strahlrohr mitgeliefert werden.

 

ba-hamburg-force-en-v09032011-1

Zusätzlich ist jedes Strahlrohr spezifisch zu kennzeichnen. Diese Kennzeichnung ist permanent auszuführen und muss die Hauptmerkmale des Strahlrohrs enthalten (Typ des Strahlrohrs, Seriennummer, Druck, Durchflussmenge, Strahlform usw.)

Dank der neuen europäischen Norm werden die Feuerwehren nun besser informiert, wie sie ihre Strahlrohre auswählen, verwenden und warten können.